Vereinigung zum Verständnis der asiatischen Kulturen

Der tibetische König sandte im 7. Jahrhundert einen seiner fähigsten und weisesten Minister, Thönmi Sambotha, nach Indien, um ein für die tibetische Sprache geeignetes Alphabet zu entwickeln. Bis dahin existierte Tibetisch nur als gesprochene Sprache. Es war jedoch notwendig, die buddhistischen Texte in das Tibetische zu übersetzen und die phonetischen Laute der tibetischen Sprache in eine geschriebene Form umzusetzen, wie es in den Nachbarländern geschah. Thönmi leitete die neue Schrift aus einem Schema ab, das einer bereits in Indien verwendeten Sanskrit-Schrift ähnelte. Die Übernahme einer bestimmten Schriftform ist ein Akt von kulturellem Gewicht mit weitreichenden Konsequenzen, die über den technischen Aspekt der geschriebenen Kommunikation hinausreichen. Die Erschaffung einer Schrift in Anlehnung an das Sanskrit bedeutet, dass Tibet vor mehr als tausend Jahren der kulturellen Welt Indiens beigetreten ist. Heute jedoch ist diese einzigartige Kultur bedroht. Die tibetische Identität verschwindet in China. Um eine harmonisch gleichartige und daher einfach zu kontrollierende Gesellschaft zu erschaffen, strebt die chinesische Regierung danach, alle kulturellen Unterschiede zwischen den ethnischen Gruppen zu eliminieren. Daher verschwinden die traditionelle Lebensart, Werte, Religion und Sprache.

Das Ziel der Thonmi-Vereinigung ist, die unterschiedlichen und manchmal verwirrenden Fakten über die Kulturen Zentral- und Ostasiens zu klären, Vorurteile auszuräumen und die allgemeinen Vorstellungen zu korrigieren. Wir wollen die asiatischen Kulturen nicht ohne kritischen Einblick idealisieren oder unterstützen. Dies geschieht jedoch leider in großem Umfang in Bezug auf Tibet und seine Einwohner.

Die Aufgabe der Vereinigung ist es, in Kooperation mit Fachleuten der europäischen Forschungszentren wie der Berliner Humboldt-Universität und der Prager Karls-Universität, Expertenwissen auf höchstmöglichem Niveau sowohl der allgemeinen als auch der Fachöffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Die Vereinigung und ihre Einrichtungen sollen als Zentrum für den vor allem auf Tibet, Usbekistan und Afghanistan gerichteten kulturellen Austausch dienen. Unser Ziel ist es, den Austausch und die Präsentation unterschiedlicher Meinungen zu ermöglichen und die Planung und Umsetzung gemeinsamer euro-asiatischer Kultur- und Wissenschaftsprojekte und -veranstaltungen zu fördern.

Die Vereinigung hat die Grenzregion Tschechiens (Region Šluknov / Schluckenau), die den Kontakt zwischen Tschechien, Deutschland und Polen ermöglicht, als Standort gewählt. Dort, zwischen den Gemeinden Vilémov und Mikulášovice, beabsichtigen wir ein Forschungs- und Kulturzentrum für die zentralasiatischen Regionen zu bauen. Das Gebäude des Zentrums selbst wird – einzigartig in Europa – im typisch tibetischen Architekturstil mit traditioneller tibetischer Raumgestaltung ausgeführt, um den Einfluss der im Hörsaal und der Bibliothek gehaltenen Vorträge und ausgetauschten Meinungen zu betonen.

Das Kulturzentrum bietet nicht nur die Einrichtungen für geplante Projekte, Seminare und Kulturveranstaltungen, sondern wir wollen auch die allgemeine Öffentlichkeit und Schüler willkommen heißen, die Projekttage in der Atmosphäre ferner Länder und Kulturen verbringen wollen.

Der Bau des Kulturzentrums, die Wiederherstellung der Fußgängerbrücke über die Eisenbahnlinie und der Ausbau des alten Fußweges in einen Touristen- oder Bildungspfad wird Beschäftigungsmöglichkeiten für die lokale Bevölkerung bieten und der örtlichen Entwicklung dieser Grenzregion dienlich sein.